Schrebergarten

 

Nur noch wenige Menschen bauen in ihren wenigen Gärten Obst und Gemüse an. Es lohnt sich heutzutage nicht mehr, im Supermarkt gibt es die Waren billig zu kaufen. So ist zu befürchten, dass viele Arten von Obst wie Stachelbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren verschwinden. Ebenso Gemüse, Kartoffeln zum Beispiel. Diesem Trend entgegen wirkt die Kindertagesstätte "Christophorus" in Issigau. Die Einrichtung hat seit Mai 2007 einen Schrebergarten in der Anlage am Ortsrand gepachtet und gibt hier den Mädchen und Jungen die Gartenarbeit "von früher" weiter. Heuer haben sie die Kartoffeln angebaut.

Vor der Aktion hatte Werner Kropf mit der Fräse den Boden aufbereitet, sodass die Kinder mit den Händen Löcher für die gekeimte Knolle graben konnten. Doch bevor die Mutterknolle in der Erde verschwand, legten die Mädchen und Jungen noch ein "Nest" aus Stroh, darauf kam die Knolle, darüber wieder Erde. Die Erzieherinnen häufelten dann die Reihen an. Damit auch jedes Kind im Herbst bei der Ernte weiß, wo "seine" Kartoffel gewachsen ist, steckten sie Plastiklöffel, versehen mit dem Namen, in die Erde.

Die Aktion hat auch einen weiteren Hintergrund: Die Kleinen sollen das Nahrungsmittel wertschätzen. Und das geschieht durch die eigene Arbeit, das Einbuddeln, Pflegen, Gießen und schließlich mit der Ernte. Dabei soll den Kindern bewusst werden, dass das Ganze doch nicht ganz so einfach ist, wie mal eben die Kartoffeln aus dem Supermarkt zu holen. Kinder, so erklären es die Erzieherinnen, begreifen und verstehen am ehesten, wenn sie etwas selbst tun und erleben dürfen.

Im Schrebergarten können die Kinder die Natur mit allen Sinnen erleben und entwickeln dabei ein ökologisches Bewusstsein auch in Bezug auf Lebensmittel. Im Schrebergarten gibt es keinerlei Spielzeug, sondern nur Natur. In Gruppen sitzen die Mädchen zusammen und pflücken Blumen, die Jungen hantieren mit Holzstämmen und bauen ein Lager oder versuchen sich im Klettern auf den alten Bäumen. Aber beim Klettern stehen auch die Mädchen in nichts nach und sind hurtig und geschwind im Geäst. Im unteren Bereich des Gartens gibt es zwischen den Fichten einen Niedrigseilgarten mit Affenschaukel und Seilbrücken. In dem kleinen Seilgarten können die Kinder nach Herzenslust klettern, balancieren und über Hängebrücken steigen. Den Seilgarten hat Michael Wilfert, Umwelt- und Erlebnispädagoge vom Bund Naturschutz, mit seiner Frau Bettina angelegt.

Jeden Mittwochvormittag ist Schrebergartentag. Und Leiterin Angela Ney beschreibt den Schrebergarten, dessen Pacht die Gemeinde trägt, als optimal: Bäume bieten Sonnenschutz und regen zum Klettern an, der Wasseranschluss dient der Bewässerung und man kann mit ihm wunderbar matschen. In dem Garten kann man auch toben, ohne dass gleich jemand schimpft. Immer wieder gibt es etwas Spannendes zu entdecken, ob nun Schnecken, ein kleines Krabbeltier oder die erste sprießende Kartoffelpflanze.

Nun will die Kindertagesstätte "Christophorus" noch Obststräucher wie Johannesbeeren in gelb, weiß und schwarz pflanzen, sodass die Kinder in der Natur nach Herzenslust schnabulieren können. Kleine Rückschläge gibt es aber auch. Leiterin Angela Ney: "Der Anbau von Erdbeeren ist wegen der vielen Schnecken leider nicht geglückt." Aber das gehört auch zur Natur. (11.05.2011)