Selbstbehauptung

 

Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für die Kleinen

„Es gibt einen bösen Mann, der Kinder anspricht und sie weglocken, mitnehmen will“, erklärt Klaus Gerlach den Buben und Mädchen der Kindertagesstätte Christophorus“, die gespannt im Kreis in der Turnhalle sitzen. Aber wie sieht denn eigentlich ein „böser Mann“ aus? Schwarzes T-Shirt, schwarze Hose, schwarze Mütze, kommt es reihum wie aus der Pistole geschossen. Alles an einem bösen Mann ist in der Phantasie der Kinder schwarz. „Aber das stimmt nicht, denn so einen auffälligen Mann würde die Polizei sofort festnehmen“, klärt Klaus Gerlach die Kinder auf und nimmt ein Buch zur Hand, erzählt die Geschichte von dem Mädchen und den Jungen, die gemeinsam spielen bis ein guter Bekannter kommt und sie dann weglocken will.

Der sonst so freundliche Kioskbetreiber verwandelt sich und schon waren Klaus Gerlach und die Kinder beim „Bauchgefühl“ angelangt, den leichten Federn und den schweren Steinen, die gefühlsmäßig anzeigen was gut oder schlecht ist. Zum zweiten Mal war der Trainer aus der Wing-Tsun-Schule-Oberfranken zu Gast in der Issigauer Kita. Und die Kinder, die bereits im vergangenen Jahr den Kurs zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung mitgemacht hatten, wussten auch noch einiges von dem Gelernten. Ziel der Gewaltpräventionskurse an Schulen und Kindergärten ist es, Kinder über gefährliche Situationen aufzuklären und ihnen zu zeigen, wie sie sich im Notfall verhalten sollen. Zum Beispiel, wenn sie von Fremden angesprochen werden.

Das ernste Thema bereitet Klaus Gerlach durch kindgerechtes Erzählen, Übungen und Rollenspiele auf. Das Konzept fruchtet auch in der Kita.  Die Buben und Mädchen, die am Kurs teilnehmen, sind Vorschulkinder und Fünfjährige, die das Gelernte dann im kommenden Jahr beim nächsten Kurs noch einmal festigen. Bald werden manche von ihnen den Schulweg zu Fuß antreten. „Wenn ihr angesprochen werdet, lauft in ein Geschäft und bittet um Hilfe oder sprecht gezielt einen Menschen an und schreit - Sie da, bitte helfen Sie mir!“. Auch gibt Gerlach den Tipp „Feuer“ statt „Hilfe“ zu rufen, darauf reagieren die Leute eher. Was Gerlach den Kindern in den zwei Einheiten mit je eineinhalb Stunden beibringt, ist ein Zusammenspiel aus Gestik, Mimik und Sprache. „Alles sollte in einer gefährlichen Situation eingesetzt werden.“ Immer wieder bauen die Kinder ihren Zaum um sich herum auf, das heißt die Hände in Abwehrhaltung und die Füße haben einen sicheren Stand. Eine abwehrende Körperhaltung stellt „der Zaun“ dar. Und auch der Gesichtsausdruck sollte sich verändern. Aber das ist für die Kinder noch zu schwer, das Lachen lässt sich nicht vermeiden. Aber das laute Schreien „Nein“ oder „Ich will das nicht“ oder „Lassen sie mich los.“

Die Erzieherin Gabi Bisky ist überzeugt, dass bei den Kindern doch einiges „hängenbleibt“, was schon bei den „Wiederholern“ zu sehen war. Auch soll gerade die gefährliche Situation mit dem Schulranzen im weiteren Alltag immer mal wieder eingebaut werden. „Wir haben einen Schulranzen in der Kita und wenn wir im Garten oder auf dem Rennplatz sind, können wir den Ranzen einfach mal mitnehmen und üben.“ Klaus Gerlach hatte den Kindern erklärt, dass sie sofort aus dem Ranzen „schlüpfen“ sollen, wenn jemand versucht durch das Festhalten des Ranzens auch das Kind zu greifen. „Und so schnell wie möglich weglaufen, Hilfe suchen.“ Den verdutzt drein blickenden Kindern versicherte er „Einen Ranzen kann man wieder ersetzen und eure Eltern sind sicher nicht böse, sondern froh euch heil wiederzuhaben.“ Den Abschluss bildete die „gefährliche Situation“ am Auto, das auch live auf dem Parkplatz geübt wurde. Er sitzt am Steuer und mimt „den bösen Mann“. „Wo würdet ihr euch hinstellen, wenn ihr aus einem Auto durchs offene Fenster angesprochen werdet?“, fragt er. Er fragt in die Runde, wer hinter oder vor das Auto stellen würde oder direkt an die Fahrertür, immer wieder schnellen Finger nach oben. Und Klaus Gerlach erklärt geduldig, warum dies falsch ist. Nur wenige würden sich richtig stellen – auf Höhe „des vorderen Reifens“ auf der Fahrerseite. „Wird die Tür geöffnet, dient sie zuerst als Barriere und verschafft außerdem Zeit zu fliehen. Das wird dann auch geübt. „Auf die Plätze, fertig, los.“ Bis Klaus Gerlach aus dem Wagen heraus ist, sind die Kinder schon mindestens zehn Meter und weiter weg.

Und noch einmal erläutert Klaus Gerlach zum Abschluss: „Ihr dürft euch nicht vor oder hinter das Auto stellen. Dann könnt ihr angefahren werden. Wenn ihr direkt vor dem heruntergekurbelten Fenster steht, könnte euch der Fremde ins Auto ziehen.“ (27.04.2012)