Erste Hilfe

 

Trau dich, keiner ist zu klein um Helfer zu sein

Martinshorn und Blaulicht verursachen bei den meisten Menschen Gänsehaut und ein ungutes Gefühl. Das geht Kindern wohl nicht anders und doch bedeuten diese Signale Hilfe. Und helfen dürfen, können und sollen, dass kann auch im Kindergarten überlebenswichtig sein und so lernten die Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte „Christophorus“ einige wichtige Regeln im Ein mal Eins der ersten Hilfe und erlebten persönlich oder beim Spielkamerad, dass Maßnahmen wie EKG oder Blutdruckmessen gar nicht weh tun.

Kinder im Vorschulalter sind erfahrungsgemäß besonders für den Bereich der Ersten Hilfe zu begeistern. Sie sind der Welt der Gefühle noch eng verbunden und deshalb gelingt es sehr schnell, sie für die Notlage anderer zu interessieren. Und das machten sich Karin und Jörg-Steffen Höger vom Bayerischen Roten Kreuz zu Nutze. An zwei Nachmittagen besuchten die beiden ehrenamtlichen Rotkreuzler die Kita, bepackt mit allerlei Utensilien. Am zweiten Nachmittag kamen sie sogar mit einem Rettungswagen, der zum Abschluss genauestens unter die Lupe genommen werden durfte, sogar die Sondersignale wurden eingeschaltet. Sie lernten praktisch und theoretisch was zu tun ist, wenn ein Mensch, ja vielleicht sogar der Freund verletzt ist. Wichtig sei es den Verletzten zu trösten, zu streicheln, Mut zuzusprechen und natürlich Hilfe zu holen.

Per Telefon übten die Kinder das Absetzen eines Notrufes. Jörg Steffen Höger „mimte“ die Integrierte Leitstelle und erfragte bei den Kindern die wichtigen Daten. Immer wieder stand die Notrufnummer „112“ im Mittelpunkt des Kurses. Dann eine Partnerarbeit, die so richtig Spaß machte, nämlich Pflasterverbände anlegen. Die Mädchen und Jungen lernten, dass man nicht auf die Wundauflage fassen darf, auch nicht darauf Niesen oder Husten und wenn es runter fällt, man ein neues Pflaster nehmen sollte. Das gilt natürlich auch bei anderen Wundverbänden, merkte Karin Höger an. Mit Feuereifer waren die Kleinen bei der „Arbeit“. Auch das Kühlen von Beulen und Insektenstichen sowie das Verhalten bei Verbrennungen, erklärte das engagierte Ehepaar.

Am Tag kamen die Rotkreuzler mit einem Rettungswagen. Es war genügend Zeit den wissbegierigen Fünf- und Sechsjährigen die Ausstattung des Fahrzeuges zu erklären. „Mittendrin, statt nur dabei“, so die Devise. Einige der Gerätschaften vom Rettungswagen wurden in den Gruppenraum transportiert. „Das Anschauen, Anfassen und Ausprobieren soll den Kindern die Angst und Unsicherheit nehmen“, erklärte Jörg Steffen Höger, „und sie sollen verstehen, wie es bei einem Ernstfall abläuft, was im Inneren des Fahrzeuges passiert.“ Dies geschah dann durch gespielte Szenen mit der Trage, dem EKG und der Vakuummatratze. Viele Finger schnellten nach oben, als Jörg-Steffen Höger fragte, wer denn einmal sein Herz schlagen hören wollte. Max Diezel und Joris Paschole mimten die „Opfer“  und ließen sich von Luis Meißner und Lorenz Hüttner auf der Trage ein EKG anlegen, den Puls und Blutdruck messen. „Maschinist“ Lukas Meister durfte das EKG „schreiben“ und schon vorher das Vakuumgerät bedienen.

Kinderpflegerin Ramona Greim spielte gekonnt eine Schwerverletzte, die Bein- und Armschienen zur Schmerzlinderung erhielt und dann in die Vakuummatratze gebettet wurde. Viele kleine „Ersthelfer“ hoben dann auf „Drei“ gemeinsam mit Karin und Jörg Steffen Höger die Matratze hoch und lagerten diese auf die bereitstehende Trage. Immer mit dabei der „Trösterteddy“. Ziel war und ist die Kinder für Gefahren zu sensibilisieren und sie in die Lage zu versetzen, sicheres Verhalten von sich aus zu zeigen. Und sollte dennoch etwas passieren, dann wissen die Kleinen wie man helfen kann und den Notruf über die 112 abzusetzen. Jörg-Steffen Höger bat die Kinder darum, den Eltern zu sagen, dass doch die Notrufnummer zu Hause auf dem Telefon gut sichtbar aufgeschrieben oder aufgeklebt ist. „Damit auch wirklich keiner im Ernstfall die Nummer vergisst.“

Die Kinder erwerben durch den kindgerechten Kurs nicht nur eine positive Grundeinstellung zum Helfen, sondern werden auch empfindsam für den eigenen Körper. So kann sich das Erlebnis „Notfall“ für die Entwicklung des Kindes positiv auswirken. Das Kind wird selbstbewusster, die Angst vor dem Helfen wird geringer. Die Grundsteine für die Zivilcourage werden gelegt. Zum Abschluss gab es für jeden kleinen Ersthelfer eine tolle Urkunde mit Teilnahmebescheinigung, Pflaster, Gummibärchen und Luftballons, alles vom Roten Kreuz. Und sicherlich kommt das Ehepaar Höger auch im kommenden Kindergartenjahr wieder, um zu wiederholen, zu festigen und den dann den Jüngeren das Einmaleins der Ersten Hilfe zu erklären. (06.06.2012)