Provisorium Krippe

 

Riesige Mobile aus flauschigen bunten Federn und langen knisternden Goldstreifen hängen fast bis zum Boden. Ein runder Teppich in der Raummitte symbolisiert den gemeinsamen Treffpunkt und eine Vielzahl an Spielzeug und Büchern, aber auch Werkbank oder Küche laden zum Spiel ein. Die Wände haben einen warmen Gelbton und sind mit Bildern der Kinder bestückt. In einer Zimmerecke baumelt eine lustige Herbstgirlande mit Blättern und Früchten, ein gemeinsames Bastelwerk. Vier von den derzeit sechs kleinen Zwergen wuseln munter umher, laufend, krabbelnd und der kleinste Spross, die zehn Monate alter Johanna sitzt strahlend mittendrin und genießt das Treiben. Aber nur kurz, dann begibt sich auch die kleine Maus auf Entdeckertour.

Es ist Krippenzeit in Issigau und diese läuft derzeit noch im Provisorium des Gemeindehauses gleich neben der Kirche. „Und das klappt prima“, bestätigt das Team von Erzieherin Regine Lorenz und Kinderpflegerin Carina Pfülb, die von den kleinen Zwergen im Alter von zehn Monaten bis zwei Jahre geradezu angehimmelt werden. Tränen gibt es keine, nur Neugier, Entdeckerdrang und auch das Grenzen austesten. Kurz nach sieben in der Früh kommen die ersten und werden durch die Carina Pfülb in Empfang genommen. Nach acht Uhr stößt dann Regine Lorenz dazu. Bis zum gemeinsamen Frühstück, das jeder selbst von zu Hause mitbringt, heißt es Freispielzeit. Die Kleinen erkunden ihr Reich und spielen mit dem, was sie am liebsten mögen. „Manchmal gibt es aber auch gezielte Angebot für die schon etwas Größeren wie Turnen mit den großen Styroporbausteinen“, erzählt die Erzieherin, „oder sie sammeln Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Materialien.“ Der manchmal zum Fahrfläche umfunktionierte Flur und Eingangsbereich bringt den Jungs immer wieder Spaß und Freude. „Hier können sie dann mit den Bobby-Car- hin und her sausen“, erzählt Regine Lorenz, „das gibt ein Gejauchze.“

Um neun Uhr ist dann Morgenkreis, den die Handschnecke Hermine eröffnet. „Sie begrüßt die Kinder und zählt gemeinsam mit einem Kind alle ab.“ In dieser Runde wird auch besprochen wer fehlt, was für ein Tag ist, welche Jahreszeit, welcher Monat. Dann verabschiedet sich die Schnecke Hermine und die Kleinen singen das Begrüßungslied „Guten Tag, liebe Leute“. Meist geht es dann nach draußen. „Nur wenn es wirklich stark regnet, verbringen wir die Zeit im Haus“, erzählt Carina Pfülb, „und das war bis jetzt erst einmal.“ Die kleine Gruppe erkundet die nähere Umgebung, besucht die Enten am Dorfteich, den Bauernhof der Familie Leidel, den nahegelegenen Spielplatz und jetzt in der Herbstzeit auch den Kastanienbaum. „Wir haben einen Geschwisterwagen für die zwei Kleinsten, alle anderen laufen und das klappt gut“, so die Einschätzung des rührigen Krippenteams. Gemeinsam wurde auch schon die Kita besucht, um zu schauen, was die Großen zu tun.

10.45 Uhr macht sich die Gruppe dann immer wieder auf dem „Heimweg“, denn das Mittagessen des Hauswirtschaftsservice vom Diakoniewerk Martinsberg wird geliefert, kindgerecht versteht sich. Nach dem „Frischmachen“ ist meist noch Zeit für ein gemeinsames Fingerspiel, dem Gebet vor dem Essen und dann langen alle kräftig zu. Die Zwerge essen mit gesundem Appetit. Die Größeren räumen dann sogar schon ihre Teller auf das Tablett. „Wir sind auch schon dabei die Selbstständigkeit zu proben“, erzählt Regine Lorenz lachend. Und es klappt.  Zähne putzen, Hände waschen und dann ist Zeit für den Mittagsschlaf. Jeder wird entsprechend seinem Ritual von zu Hause ins Bett gelegt, der eine im Schlafsack mit Kuscheldecke und Schnuller, der andere mit Spieluhr, der nächste mit Kuscheltier und es dauert gar nicht lang, herrscht Ruhe. Zeit für das Kita-Team aufzuräumen, Pläne für den nächsten Tag zu schmieden, Bastelarbeiten zu erledigen.

Derzeit sind Regine Lorenz und Carina Pfülb mit „Advent im Schuhkarton“ beschäftigt. Jedes Kind bekommt einen prächtigen verzierten Karton, weihnachtlich geschmückt, in den Tag eine Kleinigkeit gelegt wird. „An Weihnachten nimmt dann jeder seinen gefüllten Karton mit nach Hause, hat sozusagen dann einen gefüllten Adventskalender.“ Auch wird derzeit ein Geburtstagskalender mit dem Hand- und Fußabdrücken der Kinder erstellt. Die selbst gestaltete Wetterkiste enthält Schätze wie die gebastelte Sonne, Regentropen, Schneekristalle, um mit den Kindern das Wetter zu beschreiben. „In der Ruhezeit der Kinder werden auch die Beobachtungsbögen nach Petermann & Petermann ausgefüllt“, erzählt Erzieherin Lorenz, „aber nicht um die Kinder in ein Schema zu pressen, sondern um auf Fragen der Eltern konkret antworten zu können.“ 13.30 Uhr wacht die letzte Schlafmütze auf, denn gibt es noch eine Nachmittagsbrezel und ein Getränk. 14.30 Uhr wird derzeit das letzte Kind abgeholt und bis dahin ist Freispielzeit. (12.10.2012)