Weihnachtspäckchen

 

Weihnachtspäckchen für Moldawien und Ukraine

Gebannt und mit großer Erwartung sitzen die Mädchen und Buben der Kindertagesstätte „Christophorus“ im Kreis und lauschen den Worten von Katrin Gaube aus Bobengrün, die von ihrer Reise nach Moldawien berichtet, untermalt mit vielen eindrucksvollen Bildern, die allein schon Bände sprachen. Jedes der Kinder hat unter seinem Stuhl ein kleines Geschenk, mal eine Tafel Schokolade, ein Glas Nutella, eine Kinderzahnbürste oder ein kleines Kuscheltier. Alles kam dann später in ein Weihnachtspäckchen, um es auf eine weite Reise zu schicken. Doch zuerst lauschten die Kinder der Erzählung über die Reise nach Moldawien, die 30 Stunden dauerte und in ein Land führte, in dem es den Kindern nicht so gut geht wie hier. 

Die Erzieherin aus Bobengrün verstand es die Kinder durch Mimik, Gestik und Stimme gefangen zu nehmen und lenkte so die ungeteilte Aufmerksam der Kinder auf die Armut, die Trostlosigkeit und die traurigen Kinderaugen. Sie erzählte, dass es in einem Dorf nur zwei Kinderfahrräder gibt, die immer wieder getauscht werden. „Hinter das System sind wir nicht gekommen“, erzählt Katrin Gaube, „aber es hat keinen Streit, keinen Zank gegeben und immer ist ein anderes Kind gefahren.“ Sie zeigt Bilder von einer Wanne mit schmutziger Wäsche und erklärt, dass das die Waschmaschine sei. „Das Wasser zum Waschen wird vom Dorfbrunnen mit Eimern geholt und die Wäsche wird in der Wanne gestampft.“ Kühlschrank – Fehlanzeige. „Dafür dient ein Keller“, weiß Katrin Gaube und zeigt auf die Kellertür auf einem Bild. Es gibt dort auch keine befestigten Straßen und Wegen, so dass bei Regen und Schnee alles dreckig und bodenlos wird.

Sie berichtet von Kinderheimen, wo viele Kinder leben, die keine Eltern mehr haben. „Hier können sich die Kinder ihre Anziehsachen nicht aussuchen, sie müssen tragen, was gerade da ist und das haben meist schon andere getragen.“ Die Kinder hören gebannt zu, manche mit offenem Mund, andere wieder mit verwundertem Blick. Katrin Gaube war mit ihrem Mann Harald zu Ostern in Moldawien und besuchte ihr Patenkind und deren Familie. Sie berichtet von der Freude der Kinder beim Auspacken der Geschenke. „Mit dem kleinen Plüschosterhasen im Päckchen konnten sie erst gar nichts anfangen“, erinnert sich die Bobengrünerin, „denn Hasen werden dort als Braten verzehrt.“ Lachend erzählt sie von dem Schokoladenmund des kleinen Bruders von Kalinka. Auch erfahren die Kinder, dass dort nicht jedes Familienmitglied ein Bett hat, manche schlafen einfach auf Matratzen, die am Abend ausgerollt werden. „Alles im Land ist garstig grau und dreckig und deshalb freuen sich die Kinder über die bunt eingepackten Weihnachtspäckchen.“ Kalinka und ihre Geschwister hatten es gut, denn Katrin Gaube und ihre Familie fuhr mit ihnen in die Hauptstadt auf einen Basar. „Dort kann man alles kaufen, wenn man Geld hat.“ Hier erhielten die Kinder neue Röcke und Schuhe, Haarreifen und auf Wunsch auch eine Sonnenbrille. „Außerdem bekam jeder eine Limonade und als Abschluss besuchten wir dort Mc Donalds.“

Mit bewegenden Worten erzählt die Erzieherin, dass die Mädchen dort immer wieder auf Toilette mussten und erstaunt folgte sie. „Die Mädchen haben dort ständig den Wasserhahn aufgedreht, etwas völlig Neues, was sie zu Hause nicht hatten“, berichtet Katrin Gaube, „und so war das Wasser aus der Wand viel interessanter wie der Burger. Dann ging es ans gemeinsame Päckchen packen. Eines von der Igel- und eines von der Bärengruppe. Im Vorfeld hatten sich die Kinder anhand der Packliste ausgesucht, was sie gern teilen, schenken wollten. Die Eltern kauften dann Spielzeug, Zahnpasta/Zahnbürste, Malstifte, Schulhefte/Malhefte, Schokoaufstrich, Schokoladengetränk, Süßigkeiten, Schokolade, Lebkuchen oder Kekse. „Alle Lebensmittel sollen bis Ende März haltbar sein“, informierte Katrin Gaube, aber darauf hatten die Eltern beim Einkauf schon geachtet. Mit Stolz und wohl auch der Gewissheit etwas Gutes zu tun, einem armen Kind etwas abzugeben, trugen die Kinder ihr Geschenk nach vorn und legten es vorsichtig in die Kartons. Gemeinsam wurde zugeklebt, das Papier mit buntem knalligem Weihnachtspapier versehen. Katrin Gaube versicherte, dass die armen Kinder in den Kinderheimen und Dörfern mit strahlenden Augen und einem hoffnungsvollen Lächeln die Päckchen in Empfang nehmen. Sie dankte den Issigauer Kinder im Namen der Mädchen und Buben in Moldawien, die damit einen Hoffnungsstern, ein Signal der Liebe an Weihnachten erhalten. (08.11.2012)