Sankt Martin hoch zu Ross

 

Der Laternenumzug zum Sankt Martinstag ist das erste große Fest im neuen Kita-Jahr der Kindertagesstätte „Christophorus“. Im Vorfeld dessen haben die Kleinen mit Feuereifer ihre Laternen gebastelt, gleich drei verschiedene Formen und Farben waren heuer zu bewundern: die der Krippenkinder aus Eierkartons gebastelt, die der Kindergartenkinder mit Sankt Martin hoch zu Ross und die der Schulkinder mit verschiedenen Formen und Farben verziert. Vom Gemeindehaus zogen die Kinder mit Laternenliedern auf den Vorplatz der Simon-Judas-Kirche. Leiterin Angela Ney begrüßte alle kleinen und großen Gäste und erinnerte an das Teilen.

Und dann war es so weit: Die Mitglieder der Theatergruppe Issigau-Marxgrün führten die Martinsgeschichte auf. Den frierenden und zitternden Bettler mimte Jürgen Brandler und den prächtigen Soldat Martinus in Rüstung und mit Schwert Wolfgang Ernst. Eines Tages, als Martin nichts außer Waffen und dem einfachen Soldatenmantel bei sich trug, begegnete er mitten im Winter am Stadttor von Amiens einem halbnackten Armen. Dieser flehte die Vorbeigehenden um Erbarmen an. Doch alle liefen an dem Elenden vorüber. Da erkannte Martin von Gott erfüllt, dass der Arme, dem die anderen keine Barmherzigkeit schenkten, für ihn da sei. Aber was sollte er tun? Außer seinem Soldatenmantel hatte er ja nichts. Also nahm er sein Schwert und teilte den Mantel mitten entzwei. Den einen Teil gab er dem Armen, in den anderen Teil hüllte er sich wieder selbst. In der folgenden Nacht, als Martin in tiefem Schlafe lag, sah er Christus mit seinem halben Soldatenmantel bekleidet, den er dem Armen gegeben hatte. Zuvor war der bebende Bettler an der Kirchentür herrisch von einer „besseren“ Dame alias Sabine Ernst abgewiesen wurden und zwei laut gestikulierende Frauen (Ramona Greim und Maria Feldmann) machten einen großen Bogen um die in der Ecke kauernde frierende Gestalt.

Mit großen Augen bestaunten die Kinder sowohl Bettler wie Soldat, die ganz nah an der Schar mit ihren leuchtenden Laternen spielten. Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören, so gebannt verfolgten klein und groß der Martinsgeschichte mit der Mantelteilung. Pfarrer Herbert Klug sprach eine kleine Andacht bevor sich der Zug der leuchtenden Laternen, angeführt von Sankt Martin alias Anna-Maria Deffner auf ihrem Pferd Carlos durch die dunklen Straßen zur Kindertagesstätte zog. Unterwegs gab es noch verschiedene Stopps, die Vorschulkinder zeigten einen Lichtertanz, der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde unter Leitung von Heinrich Ney spielte Laternenlieder und die Kinder selbst stimmten immer wieder Lieder an. In der Kita wurde dann gemeinsam gefeiert, es gab Deftiges wie Süßes zum Schnabulieren und genügend Zeit, um in geselliger Runde den ein oder anderen Plausch zu halten. Auch Bürgermeister Dieter Gemeinhardt hatte sich der Schar der Laternenträger angeschlossen. (09.11.2012)