Nein – Sagen

 

Mit Gewaltprävention sollte früh begonnen werden, damit diese ihre Wirksamkeit auch entfalten kann. Mit diesem Wissen bat der Elternbeirat der Kita „Christophorus“ in Issigau den WhingTsun-Lehrer Klaus Gerlach aus Geroldsgrün erstmals vor zwei Jahren zu einem Kurs „Gewaltprävention“, die an zwei Vormittagen je anderthalb Stunde in der Turnhalle und auf dem Parkplatz stattfindet. Zusätzlich gab es einen Elternabend, um auch Mama und Papa zu sensibilisieren. „Wir möchten, dass jedes Kind in der Kita die Chance hat, zwei Mal an diesem Kurs teilzunehmen“, erklärt Elternbeiratsvorsitzende Sanda Hüttner, „nur so kann es erlangtes Wissen auch festigen und vertiefen.“ Da der Kurs mit zehn Euro pro Kind zu Buche schlägt, können sich Eltern bei finanziellen Engpässen an den Elternbeirat wenden, der dann die Kosten übernimmt.

Den aktuellen Kurs, an dem die Vorschulkinder und die Fünfjährigen teilnahmen,  besuchten bereits einige „Wiederholungstäter“. Erstaunlich, wie viel doch vom vergangenen Jahr noch im Gedächtnis abrufbereit war. So schnellen gar oft die Finger auf Fragen von Klaus Gerlach nach oben. Laura-Cathrin wusste zum Beispiel ganz genau, dass Feuer rufen weit aus effektiver ist wie einfach nur Hilfe zu schreien. „Bei Feuer hört mir jemand zu“, sagt das blonde Mädchen selbstbewusst. Klaus Gerlach pflichtet ihr bei. „Hilfe hören die Leute oft, gerade in der Nähe von Spielplätzen rufen die Kinder im Spiel Hilfe“, erläutert Gerlach, „aber bei Feuer werden Erwachsene aufmerksam, denn es könnte ja auch das eigenen Hab und Gut in Gefahr sein.“.

Der Geroldsgrüner zeigte den Buben und Mädchen, wie sie sich in gefährlichen Situationen geschickt und klug verhalten. „Die Selbstbehauptung und ein selbstbewusster Auftritt in gefährlichen Situationen durch den Einsatz von Mimik, Gestik, Haltung und vor allem einer festen und bestimmten Stimme ist wichtig“, erklärte Gerlach. Und genau das übten die Kinder schließlich. Klaus Gerlach erklärte den Schülern außerdem einfache Techniken der Selbstverteidigung und stellte verschiedene Gefahrenquellen dar. „Haltet in kritischen Situationen immer Abstand zu eurem Gegenüber und hört auf euer Bauchgefühl“, appellierte Gerlach an die Schüler. Ein Kribbeln im Bauch sei meist Anzeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist. „Wenn ihr euch unsicher seid, dann lauft lieber weg“, riet der Experte. Als Beispiel nannte er folgende Situation: „Werdet ihr von einem Auto aus angesprochen, stellt euch nie neben das heruntergekurbelte Fenster, sondern vorne an den Kotflügel. So habt ihr Zeit wegzulaufen und man kann euch nicht durchs Fenster ins Auto ziehen.“ Während solch einer Situation sei es außerdem gut, nach Fluchtmöglichkeiten Ausschau zu halten.

Für die Eltern gab es ein Schreiben mit nach Hause „10 Kids-WingTsun-Tipps für einen sicheren Schulweg.“ Klaus Gerlach schäfte den Kindern ein, in Gefahr auf den Schulranzen zu verzichten und wegzurennen. „Ohne den Schulranzen seid ihr wesentlich schneller“, erklärte der Geroldsgrüner, „und werft den Ranzen auf keinen Fall ins Gebüsch, sondern mitten auf den Weg oder die Straße, dass andere Leute darauf aufmerksam werden.“ Eltern sollen den Schulweg mit den Kindern gemeinsam abgehen und erklären, wohin sich die Sprösslinge im Notfall vertrauensvoll wenden können. „Es muss und kann nicht immer nur die Notinsel sein“, weiß Gerlach, „auch die beste Freundin der Mama kann eine Anlaufstelle sein.“ Auch die guten und bösen Geheimnisse sprach Klaus Gerlach an, ebenso das „ungute Gefühl“.

Dies testeten die Kinder auch gleich aus und der Kursleiter verwandelte sich von einem freundlichen netten Zeitgenossen in den „bösen Mann“. An den Augen der Kinder konnte man die Reaktionen, die von Vertrauen in Angst umschlugen, ablesen. „Zaun aufbauen“ war auch eine wichtige Übung, um den Gegenüber auf Distanz zu halten, dabei galt es gleichzeitig laut und bestimmt „Nein“ zu sagen. „Unser Ziel ist es“, erklärte er, „den Kindern bewusst zu machen, dass sie Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen müssen.“ Dabei wolle die Wing-Tsun-Schule jedoch keineswegs Schläger ausbilden, sondern selbstbewusste Kinder. Nicht „Selbstverteidigung", sondern das Wissen über „Selbstbehauptung" stand im Mittelpunkt der Ausbildung. „Auch im kommenden Kindergartenjahr wird es wieder einen Kurs geben“, versichert die Elternbeiratsvorsitzende, „damit die Kinder ein Frühwarnsystem für Gefahr entwickeln.“ (26.04.2013)