Lama-Wanderung

 

Man muss nicht in den Zoo oder gar in die Anden nach Südamerika, in die Heimat der Lamas reisen, um den neugierigen, gelehrigen Tieren einmal ganz nah zu sein. Die Familie Baier in Döbrastecken hat sieben Lamas und bietet für klein und groß geführte Lama-Wanderungen an. Eine Trekkingtour der besonderen Art, egal bei welchem Wetter. Bei der jetzigen Tour regnete es ohne Unterbrechung, aber das schreckte weder die Tiere noch die Kinder ab. „Wir laufen bei jedem Wetter, wenn es die Gruppen wünschen“, verkündet Michael Baier und schränkt ein, „nur nicht bei Glatteis oder Gewitter, das ist dann einfach zu gefährlich,.“

Im September werden es drei Jahre mit den besonderen Haustieren, verrät Michael Baier, der mit seiner Frau Michaela einen alten Bauernhof umgebaut hat. „Wir haben drum herum genügend Platz und machten uns über eine Nutzung Gedanken.“ Schnell war klar, dass das Halten von Pferden oder Eseln zu viel Zeit beansprucht. „In einer Zeitschrift hab ich dann einen Bericht über Lama-Wanderungen gelesen, dass war der Funke“, erzählt Michael Baier. Anderthalb Jahre dauerte dann die Umsetzung von der Idee bis zum Besitz der ersten vier Lamas. Der jüngere Sohn Noah, damals sechs Jahre fand das Laufen und Wandern gar nicht cool. Aber bei einer Lama-Wanderung im Allgäu über zweieinhalb Stunden marschierte der Steppke ohne Murren und Meckern. „Das gab dann den Ausschlag für die Anschaffung von Lamas“, berichtet Michaela Baier und der Steppke steht daneben und grinst. Eigentlich waren die vier Tiere für den „Hausgebrauch“ gedacht, erzählen die Baiers lachend. „Vier Familienmitglieder und jeder ein Tier, um gemeinsam zu wandern.“ Im September vor drei Jahren zogen die vier Wallache bei den Baiers ein und bereits Weihnachten gab es aus dem Bekanntenkreis die ersten Anfragen nach Gutscheinen. „Also ließen wir professionelle Gutscheine und Flyer erstellen und richteten auch eine Internetseite ein“, berichtet der Familienvater, „und seitdem läuft es von ganz alleine, einfach über Mundpropaganda.“ Die Baiers betreiben die Lama-Wanderungen nebenberuflich.

Bei der Führung der Schulkinder der Kita „Christophorus“ aus Issigau waren Michael und Michaela Baier mit den Söhnen Tim und Noah mit von der Partie. Es sind ja Ferien und Michael Baier nahm sich extra eine Stunde von seinem Job frei. „Das häng ich dann Nachmittag wieder ran“, erklärt er lachend. Die Vier warten schon mit den gehalfterten Lamas im Hof. Das Leittier Safran, Cayenne, Thymian und der weiße Anis werden heute die Gruppe begleiten. Pepperoni, Tabasco und Kümmel bleiben auf der Weide. Was Anis mit ständigen „Murmeln“ quittiert, schließlich sind gerade dass seine Freunde. Die Kinder erfahren, dass das gefürchtete und bekannte Spuken der Lamas eigentlich nur innerhalb der Herde auftritt, um Rangordnung zu regeln oder bei Hengsten, wenn sie um eine Stute kämpfen oder wenn es ums Futter geht. „Keines unserer Lamas hat bisher einen Menschen angespuckt“, versichert Michael Baier und trotzdem bleibt ein skeptischer Blick auf das stets kauende Maul. Aber auch das lässt sich leicht erklären: Lamas sind Wiederkäuer.

Michaela Baier zeigt auf die aufgestellten Ohren und den neugierigen Blick und erklärt, dass diese ganz entspannt Warten bis es endlich los geht. „Wenn sie gehalftert sind, wissen sie ganz genau, dass Arbeit ansteht.“ Jede Leine hat zwei Knoten, jeweils einen pro Kind. Also ist klar: immer zwei Kinder ein Lama. Schnell sind sich die Jungen und Mädchen über die Pärchenbildung einig. Michael Baier gibt noch den Hinweis, keine Schlaufen aus den Seilen um die Hände zu wickeln. „Denn wenn sich mal ein Lama ganz toll erschrickt, dann sollte man es schnell loslassen.“ Er erzählt auch, dass Lamas gute „Springer“ sind. „Nicht umsonst ist das Gatter 1,60 Meter hoch.“ Die Tiere leben übrigens in Offenstallhaltung und haben einen Hektar Weidenauslauf. Gelaufen wird dann in einer Karawane, Michaela Baier vornweg, die beiden Jungen Tim und Noah mal hier, mal dort und Michael Baier bildet den Schluss. Michael Baier rät eine halbe Lama-Länge Abstand zu halten, damit der Hintermann seinem Vordermann nicht am Hintern schnuppern kann. „Sonst könnte es sein, es fliegt Spuke“. Die Tiere sind zutraulich und lassen sich streicheln. „Aber bitte nicht im Gesicht oder an den Ohren und schon gar nicht von hinten an die Tiere herantreten“, rät Micheal Baier. Die Wanderung beginnt und bietet genügend Zeit, die vielen Fragen zu beantworten und den Tieren näher zu kommen. Ruhig und stolz marschieren die Tiere an der Leine einher und begeistern die Kinder. Das Lama-Trekking wird eine unvergessliche Stunde in der Natur. „Und die Infrastruktur rund um die Döbraberg ist klasse, so kann man die Touren den Gruppen anpassen“, weiß Michael Baier. (27.05.2013)