Niemand ist zu klein, Ersthelfer zu sein

 

Beim Fahrradfahren, Rumtoben oder Spielen - auch wenn man noch so sehr aufpasst, es kann immer mal ein Unfall passieren. Doch was ist zu tun, wenn kein Erwachsener in der Nähe ist? Die Mädchen und Buben der Kindertagesstätte Christophorus lernten dies mit Karin und Jörg-Steffen Höger vom Bayerischen Roten Kreuz beim Kurs „Keiner ist zu klein, Ersthelfer zu sein“.

Anna liegt am Boden. „Hallo? Anna? Kannst Du mich hören?" Doch die Sechsjährige gibt keinen Mucks von sich. Da kein Erwachsener zum Helfen da ist, setzt sich Anessa neben die Spielgefährtin, streichelt ihre Hand und redet beruhigend auf sie sein. Vorher hatten die Kinder an der Bildergeschichte „Faxi und Flori“ das Trösten und Helfen theoretisch erarbeitet. Doch auch jetzt ist die kleine Ersthelferin Anessa nicht allein. Karin kniet daneben, macht Mut und erklärt, was alles zu tun ist. „Trau Dich - Keiner ist zu klein, um Ersthelfer zu sein" heißt das Projekt des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), in dem Kinder gezeigt wird, was sie tun können, wenn jemand bei einem Unfall verletzt wird. Und Kinder sind ganz, ganz tolle Ersthelfer, sind die beiden Rotkreuzler überzeugt. „Kinder haben keine Angst, etwas falsch zu machen, sie tun."

Ganz wichtig ist der Notruf, mit dem man per Telefon ganz rasch Hilfe herbeiholen kann. "Die 112 müsst ihr wählen", erklärt Jörg-Steffen Höger, der zuvor mit Bildern verschiedener Einsatzfahrzeuge die Notfallnummern 112 und 110 mit den Kindern zugeordnet hat. Mit einem Telefon wird das Absetzen eines Notrufes geübt. Muss man erklären, wo man sich befindet, was passiert ist, wie viele Personen verletzt sind und welche Verletzungen vorliegen. Und nicht vergessen: Auf Rückfragen warten, denn vielleicht will die Stimme am anderen Ende der Leitung noch mehr wissen.

Nicht nur Trösten, sondern auch das richtige aufkleben eines Pflasters übten die Kinder gemeinsam. „Ganz wichtig nicht auf die Wundauflage fassen und wenn es runter gefallen ist, dann lieber ein neues nehmen“, impft Karin Höger den Kindern ein. Ganz so einfach ist es mit dem Pflaster dann doch nicht und oberste Vorsicht ist geboten, damit auch kein Schmutz in die imaginäre Wunde kommt. Auch Kühlen bei Prellungen, Verbrennungen und Insektenstichen steht auf dem „Stundenplan“. Aufmerksam lauschen die Kinder den Rotkreuzlern und haben fast immer eigene Erlebnisse beizusteuern. Die Funktionen der Haut verdeutlicht Jörg-Steffen Höger am Beispiel eines Apfels, der erst auf dem Boden fällt, dann einen Schnitt bekommt. „Haut brauchen wir zum Leben“, weiß Joris, der kurze Zeit später Stuhl kippt und mit dem Kopf auf dem Fußboden aufschlägt. Kühlen ist notwendig. Leiterin Angela Ney holt eine Kühlkompresse und was eigentlich fiktives Spiel sein sollte, war in dem Moment ernst. Aber nach kurzer Kühlzeit war auch Joris wieder fit und machte wieder eifrig mit, schließlich wollen sie alle tolle Ersthelfer werden. Fetzige Lieder wie „112 – die Notrufnummer“ spielte Jörg-Steffen Höger vor, die bei den Kindern gut ankamen und sicher für das Einprägen förderlich sind. Als Geschenk erhielt jedes Kind zum Abschluss ein Päckchen Pflaster. (03.07.2013)