Montessori-orientierte Kinderkrippe

Vorsichtig, aber selbstbewusst balanciert die einjährige Milena ihren Löffel in den Mund, gleich daneben gießt sich die zweieinhalbjährige Anna Früchtetee in ihr Glas und die knapp zweijährige Johanna holt sich alleine ihre Zahnbürste. „Hilf mir, es selbst zu tun“, lautete die Devise von Maria Montessori und danach arbeitet die im Juni eingeweihte Krippe in der Kita „Christophorus“. Manch Mama schaut mit großen Augen auf das Tun ihres Sprösslings und der kann das, wenn man ihn denn lässt.

„Wir geben den Kindern Unterstützung und Begleitung im täglichen Leben“, erklärt Krippenleiterin Regine Lorenz, „und achten genau darauf, wenn das Kind bereit ist, gewisse Dinge selbst zu tun.“ Sensible Phasen nannte es Maria Montessori und an deren Pädagogik orientiert sich die Krippe, wie die Kita „Christophorus“ im Gesamten. Die Erzieherin lacht und weiß nur zu genau, dass zu Hause die eine oder andere Aufgabe wohl doch eher von der Mama erledigt wird, die aber in der Krippe schon allein funktioniert. „Aber das geben wir in Gesprächen den Eltern mit, da heißt es  Vertrauen in den kleinen Spross zu haben.“ Je kleiner die Kinder sind, desto mehr Zeit, Begleitung und vor allem differenzierte Angebote braucht das einzelne Kind, weiß das Team der Krippe mit Erzieherin Regine Lorenz und Kinderpflegerin Carina Pfülb. Montag ist „Monte-Tag“. In einem separaten Raum können die Kleinen ungestört mit Montessori-Material arbeiten. „Maximal zwei Kinder gehen mit nach nebenan“, erklärt Carina Pfülb und legt Johann und Mia die „braune Treppe“ und die Kiste mit den Einsatzzylindern auf die Teppiche. Die zwei wissen ganz genau was zu tun ist und lassen sich nicht ablenken, mal ein kurzer Blick, aber dann „arbeiten“ sie weiter, vertieft mit dem Sinnesmaterial.

„Jeder darf so lange wie er will“, erzählt die Kinderpflegerin, „aber einmal mussten wir nach einer halben Stunde abbrechen, weil ja jedes Kind mal dran kommen möchte.“ Das Krippenteam sieht sich als Begleiter, die den Kindern Anregungen zur Verfügung stellen, um die kindliche Neugierde zu wecken. Regine Lorenz öffnet die Schranktür und Alisa holt sich zielstrebig ein Tablett mit Bauernhoftieren und bunten laminierten Bildern heraus. Am Tisch ordnet sie die Tiere den Bildern zu und erzählt was sie sieht und was die Tiere für Geräusche von sich geben. Unbewusstes Sprachtraining. Regine Lorenz weiß, dass die vorbereitete Umgebung ein wesentlicher Baustein in der Montessori-Pädagogik ist.

„Die Kinder haben die Möglichkeit sich am offenen Regal ein Material auszusuchen.“ Auf Tabletts sind verschiedene Arbeiten im Angebot. „Durch die Altersstruktur sind es überwiegend Knopf-, Gardinenring- und Korkdosen, die sinnliche Erfahrungen bieten.“ Im Schrank gibt es eine Schale mit großen Schrauben und Muttern, ganz wie in einer Werkstatt und die Kinder probieren das Aufschrauben mit Hingabe und ganz konzentriert. Der drei-Finger-Griff und die Fingerfertigkeit werden damit spielerisch geübt, eine feinmotorische Übung. „Das bedarf durchaus der Übung und Wiederholung“, weiß die Erzieherin.

Der Tag ist strukturiert, bis spätestens 8.30 Uhr sollte das Kind da sein, um vor dem gemeinsamen Aufräumen und den Morgenkreis noch spielen zu können. Dann klingelt es. „Aufräumen heißt auch meine Umwelt zu schätzen, sie sauber und ordentlich zu halten“, erklärt Regine Lorenz, „und das Spielzeug wird ohne zu werfen an seinen Ort gebracht.“ Im Morgenkreis ist die Mitte entsprechend der Jahreszeit gestaltet, derzeit mit Herbstfrüchten wie Kastanien und Pilze. Der Tag wird besprochen, eigens dafür gibt es Schrifttafeln nach den Monte-Farben - der Montag ist rot. Auch der Monat und die Jahreszahl werden erläutert, der Jahreszeit entsprechend wird ein Lied gesungen. Ein Fingerspiel, ein gemeinsames Lied, dann geht es zum Händewaschen. Frühstück steht dann an. Aber nichts wird „serviert“. Die Kinder holen ihre Taschen und packen ihre Brotdose aus. Auch die Teller holen die Zwerge selbst, übrigens aus Porzellan.

Es gibt jeden Tag ein anderes kreatives Angebot, natürlich kommt auch das Spielen, das Natur entdecken im Freien nicht zur kurz, Freitag ist Turntag. Neben den verschiedenen Spielmaterialien können die Kleinen auch Montessori-Material auswählen, das sich auf Tabletts befindet und damit leicht zum Tisch zu transportieren ist. „Oder man nimmt sich einen kleinen Teppich und arbeitet auf dem Boden“, erklärt Carina Pfülb. Sinnesmaterial für Motorik und Koordination, mathematisches Material als Formenmemory und geometrische Formen, Sprache mit Figurenzuordnung zu Bildern, Übungen des täglichen Lebens mit dem Versuch des An- und Ausziehen was die Selbständigkeit sowie das Körper- und Selbstbewusstsein stärkt und kosmische Erziehung mit dem Jahreskreis sowie entdecken und forschen. Es gibt für die Kleinen viel zu lernen und zu erleben, aber immer steht die Achtung vor dem Kind im Mittelpunkt, das dort abgeholt wird, wo es gerade steht. (23.09.2013)

 

Mia baut die braune Treppe – ein Material für die Sinne, das Größenverhältnisse und Abstände vermittelt. Im Gespräch mit der Kinderpflegerin Carina Pfülb wird zudem „nebenher“ der sprachliche Ausdruck geübt. Übrigens wird durch die verschiedenen Größen in der Hand auch der Gleichgewichtssinn trainiert. Im Hintergrund spielt Johann spielt intensiv mit dem Einsatzzylinder und macht Erfahrungen mit Versuch und Irrtum, denn nicht jeder Holzstift passt in jede Öffnung. Sind alle Holzstifte „versenkt“ wird die Kiste geöffnet und das Spiel beginnt von vorn. Kinderpflegerin Carina Pfülb beobachtet das Arbeiten

 

Keck reckt sich Johanna in die Höhe und holt sich selbstständig Zahnbürste und Becher, das ist festes Ritual nach dem Essen.

 

Essen darf Milena  ganz allein und wenn mal was daneben geht, stürzt die Welt auch nicht ein, denn schließlich heißt es auch „Verwöhn mich nicht zu sehr, das ist nicht gut für mich“.

 

Alisa hat sich für das Zuordnen von Tieren auf die Bilder entschieden. Im Gespräch mit Erzieherin Regine Lorenz ergibt sich ein unbewusstes Sprachtraining und das Kennenlernen der Tiere selbstverständlich.