Nein sagen

 

Mit einfachen Mitteln und „angewandter Psychologie“ können bereits die Kleinen lernen,  Gewalt zu begegnen und sich davor zu schützen. Ein entschiedenes lautes „Stopp!" oder „Nein!" und die dazu passende Körperhaltung, Mimik und Gestik sind einfache, aber wirksame Hilfsmittel, vermittelt Wing-Tsun-Trainer Klaus Gerlach den Mädchen und Jungen der Issigauer Kita „Christophorus“ und man merkt genau, wer bereits im vergangenen Jahr den Kurs Gewaltprävention mit Tipps für einen sicheren Schulweg mitgemacht hat.

Auf Initiative des Elternbeirates wird der Kurs seit einigen Jahren angeboten, so dass jedes Kind zwei Mal dabei sein kann. Dabei wird das einmal Gehörte gefestigt sowohl in Theorie wie auch in Praxis. Sollte es finanzielle Engpässe in einer Familie geben, übernimmt der Elternbeirat unbürokratisch die zehn Euro für den drei-Stunden-Kurs. Wichtig sind auch  selbstsicheres Auftreten, das heißt nicht auf den Boden oder wegschauen, sondern den Gegenüber direkt und offen in die Augen. Auch das gezielte und direkte Einbeziehen anderer Menschen ist eine wirksame Methode, erfahren die Kinder, und bei der Abwehr eines Fremden nicht mit „Du“ reden, sondern gezielt und bestimmt „Lassen Sie mich in Ruhe“. Hören Erwachsene ein „Du“, dann denken diese, dass die Tochter oder der Sohn mal wieder anderer Meinung sind, erklärt der Wing-Tsun-Trainer den Kleinen. Klaus Gerlach untermauert alle Erläuterungen durch praktisches Üben. Immer wieder wird laut und bestimmt „Nein“ und „Stopp“ gerufen und zugleich der „Zaun“ zur Abwehr aufgebaut, das heißt ein Bein nach vorn für einen festen Stand und die Hände vor den Körper in Abwehrhaltung.

Klaus Gerlach schärft den Kindern auch ein, dass der Schul- und Heimweg am sichersten in Gruppen gegangen werden soll. „Viele sind stark“, gibt er den Kindern mit auf den Weg. Bald werden manche der Kinder den Schulweg zumindest bis zur Schulbushaltestelle zu Fuß antreten. „Wenn ihr von Fremden angesprochen werdet, geht in ein Geschäft und bittet um Hilfe oder geht gezielt auf einen Menschen zu und schreit: Sie da, bitte helfen Sie mir!" Außerdem sollten die Kinder in Gefahr besser „Feuer statt Hilfe" rufen, denn darauf reagieren die Leute eher. Er bittet die Kinder auch mit den Eltern den Schulweg abzugehen und zu schauen wo man ehesten Hilfe erhalten kann. „Geht keine Abkürzungen, sondern immer den eingeübten Schulweg und seid auch pünktlich“, schärft er den Kindern ein, „denn eure Eltern müssen sich auf euch verlassen können.“

Gemeinsam wird die „Flucht“ mit Schulranzen geübt. Der Trainer schärft den Kindern ein, den Schulranzen einfach fallen zu lassen, da dieser das schnelle Rennen erschwert. Er versichert bei den skeptischen Blicken der Kinder, dass man einen Schulranzen ersetzen kann. „Doch euch gibt es nur einmal.“ Kinder lieben Geheimnisse. Aber es gibt „gute“ und „böse“ Geheimnisse und anhand des Bauchgefühls vermittelt Klaus Gerlach den Kindern den Unterschied zwischen gut und böse. Erst geht er freundlich lächelnd auf eines der Kinder und begrüßt mit Handschlag, dann verwandelt sich der Gesichtsausdruck, wird finster und unheimlich. Schnell merken die Kinder was gemeint ist – das komische Gefühl im Bauch. „Wenn immer ihr das komische Kribbeln im Bauch habt, vertraut euch Mama oder Papa oder eurer Erzieherin an, denn dann stimmt was nicht.“

Den Abschluss bildete die „gefährliche Situation" am Auto, die Klaus Gerlach mit den Kinder live auf dem Parkplatz übte. Auch hier noch einmal, am besten in Gruppen gehen und nicht zu nah ans Auto treten. Er erklärte den Kindern den „sichersten“ Platz, wenn sie aus dem Auto heraus angesprochen werden. Immer auf Höhe „des vorderen Reifens" auf der Fahrerseite. „Wird die Tür geöffnet, muss der Fahrer zuerst die Tür als Barriere überwinden und euch verschafft dies Zeit und einen Vorsprung“, erklärt er den Kindern. Das übten die Kinder dann in Gruppen. Bis Klaus Gerlach aus dem Wagen heraus ist, sind die Kinder schon mindestens zehn Meter und weiter weg. (14.03.2014)