Erste Hilfe

 

Niemand ist zu klein, Ersthelfer zu sein. Beim Fahrradfahren, Herumtoben im Garten oder beim Spielen auf dem Spielplatz - auch wenn man noch so sehr aufpasst, es kann immer ein Unfall passieren. Doch was macht ein Kind, wenn kein Erwachsener in der Nähe ist?

Samantha liegt leblos am Boden. „Hallo? Samantha? Kannst Du mich hören?" Das Mädchen gibt keinen Mucks von sich. Rettungssanitäter Jörg-Steffen Höger beugt sich über ihr Gesicht, prüft nach, ob Samantha noch atmet, und dreht sie anschließend mit geübten Griffen auf die Seite. Die Kinder staunen. Dann rappelt sich Samantha wieder vom Boden auf, kerngesund: Es war alles nur gespielt.

Unter dem Motto „Trau' dich, keiner zu klein, um Helfer zu sein" beschäftigten sich die Mädchen und Jungen der Issigauer Kita „Christophorus" mit Erster Hilfe. Rettungsassistentin Karin Höger und Rettungssanitäter Jörg-Steffen Höger vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) sensibilisierten die Kinder für mögliche Gefahren, aber ganz besonders für die Hilfeleistung: Vom Absetzen eines Notrufes bis hin zur ersten Versorgung inklusive trösten, kühlen und Pflaster aufkleben: Denn auch Notfallsituationen gehören zur Erfahrungswelt der Kinder.

Ziel ist es, ihnen die damit verbundenen Ängste und Unsicherheiten zu nehmen. Kinder können durchaus schon Erste-Hilfe-Maßnahmen durchführen, wenn sie denn „ausgebildet" sind. Fleißig übten die Kinder die stabile Seitenlage. „Damit kann man einen Bewusstlosen so auf die Seite drehen, dass er beispielsweise nicht an seinem eigenen Blut oder Erbrochenen ersticken kann", erklärte Jörg-Steffen Höger. Die Kinder haben keine Angst, zu helfen oder etwas falsch zu machen, sondern gehen beherzt an die Sache. Viele Finger schnellen in die Höhe, um selbst einmal zu üben oder auch, um als „Opfer" zu fungieren, denn dabei lernt man ja auch.

Das Trösten gehört dazu, das Pflaster aufkleben, das Kühlen bei Verbrennungen und Insektenstichen und natürlich auch das Absetzen des Notrufes unter der „112". An einem Telefon führten die Mädchen und Jungen einen fiktiven Anruf durch. Jörg-Steffen Höger mimte die Integrierte Leitstelle und führte die Kinder geschickt durch die fünf W-Fragen: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele verletzte Personen? Welche Verletzungen haben diese Personen? Und das Warten auf Rückfragen, also nicht sofort auflegen.

An zwei Nachmittagen lernten und übten die Kinder mit Begeisterung. Natürlich gehörte auch eine Erkundung eines Rettungswagens zur „Ausbildung" der kleinen Ersthelfer". Die beiden Rotkreuzler nahmen sich wirklich sehr viel Zeit, um den Kindern die Gerätschaften genau zu zeigen. So manch einer durfte auf der Trage Platz nehmen, ein anderer Maschinist sein und den Patienten in Schocklage versetzen. Mia mimte schließlich die Patientin und die kleinen Ersthelfer fuhren sie mit der Trage in den Kindergarten, um sie dort weiter zu versorgen. (08.10.2014)