Schieferbergwerk

 

Eine Familienwanderung mit Kennenlernen und Erkunden des heimischen Schieferwerks Lotharheil in der Nähe des Geroldsgrüner Ortsteiles Silberstein organisierten Elternbeirat und  Förderverein unserer Kita gemeinsam mit den Besitzern des Schieferwerks Marion und Manfred Teichmann, die sich über das Interesse von klein und groß mächtig freuten. Offizielle Führungen in den Berg hinein, gibt es schon seit längerem nicht mehr, die Auflagen sind einfach zu groß. Aber ein ganz kleines bisschen durfte die Gruppen schon „unter-Tage-Luft“ schnuppern, im gemauerten Eingangsbereich des neueren Stollens. Es waren zwar nur 20 Meter, aber auch da spürte man schon die Kühle, hörte das stetige Tropfen von Wasser im dunklen Inneren und den Schall. Der Stollen ist so groß, dass man mit einem Radlader, einem Bohrwagen oder einem Lastwagen in den Stollen einfahren kann.

Manfred Teichmann, der den Familienbetrieb in der vierten Generation leitet, erklärte die Förderung des rauen und unverwüstlichen Schiefergesteins und scharte um sich herum viele interessierte Zuhörer. Diese erfuhren, dass man in den vergangenen Jahren den zweiten Stollen in den Hang des Hahnenkamm-Bergmassivs getrieben hatte, um den südwestlichen Teil des Schieferlagers zu erschließen. Das Bergwerk läuft nicht das ganze Jahr hindurch, verrät Manfred Teichmann und auch, dass sich das Naturprodukt Schiefer zunehmenden Beliebtheit erfreut. Einige statteten später dem Schieferladen einen Besuch ab und erstanden Schmuck- und Dekorationsartikel aus Schiefer, die Begeisterung hervorriefen. Aber nicht nur der Blick in den Stollen war gewährt, sondern auch in die Verarbeitung.

Eine immense Geräuschkulisse verursachte die Säge, mit der Schiefer geschnitten wird. Neben der Lautstärke war es auch ziemlich nass. „Durch Sägen zerlegen wir große Blöcke und Platten und bringen den Schiefer in die gewünschte Form“, erklärte Manfred Teichmann und zeigte eine bereits erstellte Küchenarbeitsplatte, gut sichtbar die Aussparung für die Spüle. Übrigens ist der Schiefer aus Lotharheil ein so genannter „Plattenschiefer“ und neben klassischen Produkten mit Tisch- und Bodenplatten oder Treppensteine werden auch nach Schiefersplitt und Schieferblöcke für die Vorgartengestaltung angefragt.

So ein Glück, da konnte man doch glatt das eine mit dem anderen verbinden und gleich Deko für den Garten daheim mitnehmen. Natürlich gehörte auch das klassisch-weitbekannte Klopfen von Schieferherzen zum Programm. Ratz-Fatz stellt Manfred Teichmann aus einer unförmigen Schieferplatte mit ein paar Hieben ein Herz her. Er zeigte auch, wie einfach es ist, in eine Schieferplatte Löcher einzuhauen. Die Kinder schauten mit staunenden Augen den Werkeln des Besitzers des Schieferwerkes zu und die Großen löcherten dann im Vier-Augen-Gespräch, denn wann kommt man schon in den Genuss hinter die Kulissen eines Schieferwerks zu schauen.

Manfred Teichmann gab auch einen Einblick in die Geschichte, erinnerte an Alexander von Humboldt, der bereits zu seiner Zeit in Steben (1792/1793) als Bergassessor die Qualität des  Schiefers erkannt hatte. Das Abbaurecht erwarb 1857 Reichsrat Lothar Freiherr von Faber, der seine damals bereits 100 Jahre bestehende Bleistiftfabrik in Nürnberg zu einem industriellen Betrieb ausbaute, dem heutigen Faber-Castell. „Der Name des Schiefers geht auf seinen Vornamen zurück“, erfuhren die Erkunder und auch, dass Faber den Schiefer für die Herstellung von Schiefertafeln im neugegründeten Werk in Geroldsgrün benötigte. Nur war der geförderte Schiefer dafür zu hart. Das Schieferwerk verkaufte Faber 1895 und seit 1904 ist es im Besitz der Familie Teichmann, damals vom Schieferdecker Christian Teichmann erworben. Als Andenken an die außergewöhnliche Betriebserkundung einhergehend mit Wanderung dorthin, erhielt jede Familie ein Schieferherz, gespendet von der Familie Teichmann. (13.05.2017)